In freudiger Erwartung…
… habe ich schon mal den Winter eingeladen …

Und siehe da: Es mag ja verfrüht sein – aber es schreibt sich über die eisigen Nordmeere für “Die Rache der Nibelungen” leichter, wenn die Atmo stimmt.
… habe ich schon mal den Winter eingeladen …

Und siehe da: Es mag ja verfrüht sein – aber es schreibt sich über die eisigen Nordmeere für “Die Rache der Nibelungen” leichter, wenn die Atmo stimmt.
Dieses Poster zu dem Film “102 Dalmatiner” hat mich vor ca. drei Jahren wochenlang verfolgt. Irgendwas stimmte hier nicht, aber es schien mir unmöglich, den Fehler aus meinem Augenwinkel in das volle Blickfeld zu zerren.
Eigentlich ja kein ungewöhnliches Motiv – ein süßer Hund, der Werbung für einen Film mit noch viel mehr süßen Hunden macht.
Und doch…
Grummelgrübeldenk…
Schließlich traf mich die Erkenntnis, wie sich das gehört – wie der Blitz: Disney hat den ersten Hund ohne Arschloch gezüchtet!
Jetzt kann ich ruhig schlafen…
Es war eine gute Woche – weniger für George W. Bush, mehr für Amerika. Ich würde jetzt gerne behaupten, aus genau diesem Grund bei der Tanke meines Vertrauens zu diesem Monstrum mit “koffeinierter Zuckerplörre” ((c) Walter Moers) gegriffen zu haben. Die Wahrheit ist jedoch viel simpler: 3,001 Liter Cola in EINER Flasche? Das reizt den Spieler in mir. Als Größenvergleich habe ich mal eine normale Bierflasche daneben gestellt.
Es ist allerdings jetzt schon klar, dass ich diese Flasche aus Gründen der Pfandfreiheit nie wieder kaufen werden. Schäbig genug, dass mein Tankwart sagt: “Die gehen weg wie wild, weil die Leute sie nicht zurückbringen müssen.”. Der gleiche Tankwart war wenigstens so nett, mich vorzuwarnen: “Die schmeckt mehr wie so Light-Cola”.
Nachtrag: Mittlerweile habe ich von der Cola gekostet (mit Eiswürfeln gekühlt im stilvollen Coca Cola-Originalglas). Der Tankwart hat nicht gelogen. Das Zeug schmeckt massiv gepanscht, als wäre die Flasche mit Wasser gestreckt worden. Eiskalt gerade noch erträglich, ansonsten nicht mal auf dem Level von Top Star oder Freeway Cola…
Auf der Rückfahrt fiel mir dann auf, dass ich diese Woche sehr viele Waren “made in USA” in die Finger bekommen hatte. Machen wir also gleich weiter mit einer großartigen Erfindung der Verzehrindustrie (man bemerke die Vermeidung des Begriffes “Nahrungsmittel”): Jellybeans.

Weiche Kaubonbons in 50 Geschmacksrichtungen, darunter Cappuccino, Kokos, und Zimt. Eine Lieblingsnascherei des seligen Ronald Reagan. Tatsächlich kann man, wenn man einmal angefangen hat, kaum Widerstand leisten. Weil Jellybeans hierzulande allerdings wie Pralinen teuer und als Schaufelgut verkauft werden, habe ich mich in den USA eingedeckt: Sechs Kilo “Sour Mix” (das eliminiert die widerlichsten Sorten). Mit 28 Euro auch nicht wirklich billig, aber ein Schnäppchen im Vergleich zu den Hauspreisen von Karstadt.
Aber damit nicht genug!
In den letzten Tagen habe ich mir die Folgen der leider nur sehr kurzlebigen US-Sitcom “That’s my Bush!” angesehen, die im Weißen Haus kurz nach dem ersten Wahlsieg des Republikaners spielt. Es erstaunt vor allem, für wie harmlos-dämlich man den US-Präsidenten vor 9/11 gehalten hat.
Die Serie ist fürwahr keine Perle, hat aber ein paar durchaus witzige Gags zu bieten:
Sekretärin: “Mr. President, according to my palm pilot, you have only 15 minutes until Earth is destroyed by the evil Zynthians!”
Bush: “Princess, that’s not a palm pilot – it’s a Gameboy!”
Besonders obskur wird es allerdings in Episode 4, wenn Bush aus Versehen die Wiener Oper per SDI in die Luft jagt. Wir sehen den österreichischen Bundespräsidenten Klestil (die “That’s my Bush!”-Macher hatten augenscheinlich keine Ahnung, dass dessen Posten nicht mit dem des US-Präsidenten vergleichbar ist). Er ist voll uniformiert, und verwendet am Schluss der Szene den Hitler-Gruß.
Hier der Ausschnitt:
Ich bin froh, kein Ösi zu sein – ich müsste Empörung aufbringen…
Ich bin ein Kind der 80er, das ist bekannt. Ich kenne noch die Angst vor dem Atomkrieg, die aber zu meiner Zeit schon keine Angst mehr vor “dem Russen” war, sondern eher die Angst vor dem eigenen Verbündeten Amerika.
Wenn man damals als Jugendlicher in den 80ern “links” war (und wer war das in NRW nicht?), dann beschäftigte einen nicht die Frage, OB wir alle dem Untergang geweiht sind, sondern nur noch, aus welcher Ecke der Untergang kommen würde. Da stritten sich zwei regelrechte Denkschulen – Schule 1 verkündete den ins Haus stehenden Nuklear-Tod (Subgruppe GAU und/oder Erstschlag), Schule 2 wähnte die Abrechnung von Mutter Natur schneller. Für beide Schulen gab es ausreichend Buttons, Parkas, und Open Air-Konzerte…
Nun trug es sich zu, dass ich in den späten 90er Jahren auf N3 mal eine “Gib Gas, ich will Spaß”-Nacht aufgezeichnet habe, die satte 3 Stunden lang schräge Clips aus Musiksendungen der 80er präsentiert. Da sind echte Highlights dabei – Tracy Ullmann singt im “Musikladen” in eine Plastik-Haarbürste, während Dave Gahan bei den “Bananas” ein echtes Huhn auf dem teuren New Wave-Anzug hat, als er zu “See you” im Playback die Lippen bewegt.
Ganz besonderen Wert bekommt die Sendung allerdings dadurch, dass auch DDR-Jugendkultur gezeigt wird, die für mich natürlich eine absolute Entdeckung (und weit weniger lahm als gedacht) war. In einem der Clips erwähnt eine Moderatorin ein Buch über dekadente westliche Jugendbewegungen anno 1985. Und nach ungefähr sechs Jahren bin ich nun endlich mal drauf gekommen, mir dieses Buch auch selber zuzulegen. Und die Ausgabe von ein paar Euro beim ZVAB hat sich voll gelohnt…
SPIEGEL online hat drei Kasachen in “Borat” geschleppt, um deren erwartbare Empörung zu dokumentieren. Und prompt stellen sich die Studenten eingeschnappt die Schlüsselfrage, die jeden bewegt, der erstmals durch den Kakao gezogen wird: “Warum gerade wir?”. Beleidigung der Fahne, der Ehre, des Präsidenten, blablabla, etc. pp.
Die Autorin Anna Reimann hätte den beleidigten kasachischen Leberwürsten erklären können, warum – durch ein einfaches “warum nicht?”.
Deutschland ist nämlich nach 50 Jahren Nazi-Witzen und Weißwurst-Klischees komplett kakaoresistent, und man freut sich schon, wenn die Parodie halbwegs originell ausfällt
wie bei der “Saturday Night Live”-Reihe “Sprockets”.
Und jetzt ist halt mal Kasachstan dran. Wäre nicht Freude angebracht, dass die ex-sowjetische Ödnis damit als spannend genug angesehen wird, um veralbert zu werden?
Meinung ist erst dann frei, wenn sie auch blöd sein darf, ungerecht, und falsch – das hätte man den Demokratiefrischlingen aus dem neunt größten Land der Erde mal erklären können. Willkommen im Club.
All das ist vergleichsweise selbstverständlich, und wäre mir keinen Eintrag wert. Aber für einen Artikel, der mangelndes Verständnis für Kasachstan geißelt, endet “Bei ‘Borat’ hört der Spaß auf” mit einer zuckersüßen Pointe:

… und ich denke so bei mir: leider.
David Blieswood (eigentlich Norbert Körzdörfer) ist eine adrette sogenannte “Edelfeder”, die besonders gerne außerhalb bezahlter Werbung über Gillette-Rasierer schreibt, und uns immer wieder mal in der BILD die Welt erklärt. Wie er dazu kommt? Keine Ahnung.
Nun hat Körzdörfer mit ein paar Buddies (dezentes Name Dropping: Otto Waalkes und Til Schweiger) anscheinend den Film “Borat” gesehen, und darüber geschrieben.
Und ich habe es nicht verstanden.
Körzdörfers Gefasel ist ein so exzellentes Beispiel für Print-Logorrhöe, dass ich es in Auszügen präsentieren und kommentieren möchte.
Er ist die Mega-Bombe des Lachens. Es explodiert das Zwerchfell – und der Lacher beim Lachen.
Was genau HEISST das? Ich kann KEINEN der Ausdrücke nachvollziehen! “Mega-Bombe des Lachens”? Wieso explodiert das Zwerchfell? Und ist mit “Lacher” die lachende Person, oder das gelachte Lachen gemeint? Kann auch nur EINS von beidem explodieren?
Das Internet glüht vor Gag-Gier (21,3 Mio. Google-Stories).
Das könnte ich sicher unkommentiert stehen lassen – irgendwelche Google-Hits als belanglose Statistik zu verwenden, hat mittlerweile Tradition. Aber die Formulierung “glüht vor Gag-Gier”?! Eine Alliteration, für die man mit der Eselsmütze in die Ecke gestellt gehört…
Otto Waalkes guckt den Film-Trailer. Til Schweiger surft auf der Website (www.borat-derfilm.de). Otto & Til fieberten: „Wie ist Borat?“
Okay, hier mal langsam – wo und wann befinden wir uns? Bei einem Presse-Screening? Aber wieso surft Til Schweiger da? Und guckt Otto nur den Trailer, nicht aber den ganzen Film? Und wieso fiebern sie? Ist der Gegenstand ihres Fiebers die Figur Borat (worauf die fehlenden Anführungszeichen schließen lassen), oder der Film? Und wenn sie so fiebern – wieso schauen sie sich den Film nicht einfach an? Mangelndes Taschengeld? Und wieso wird im Präsenz gesurft, aber in der Vergangenheitsform gefiebert? Wick Medinait?
Körzdörfer müht sich auch noch, den radikal-fäkalen Späßen des Engländers einen gesellschaftskritischen Anstrich zu geben:
Aber der Idiot ist nicht Borat! Der Idiot ist der, der lacht – der latente Sexist und Rassist in jedem von uns.
DAS muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Wer in dem Film “Borat”, den Körzdörfer als die “Mega-Bombe des Lachens” bezeichnet, tatsächlich lacht, ist ein sexistischer und rassistischer Idiot? Ich habe das mehrfach gelesen, um auszuschließen, dass ich da was falsch verstanden habe. Aber kein Zweifel möglich – Körzdörfer MEINT das vielleicht nicht, geschrieben hat er es aber…
Danke, Herr Körzdörfer! Ich werde mich also mühen, im Kino keine Miene zu verziehen. Das wird allerdings schwer werden, denn Sie warnten ja schon im Titel:
“Wetten, dass er JEDEN zum Lachen bringt?”.
Die ganze Welt voller Rassisten und Sexisten demnach. Und seine Kollegen zählt Körzdörfer zu den Idioten gleich dazu:
Noch nie hörte ich Kritiker im Kino so kichern, prusten, johlen und verstummend, anhimmelnd, verschämt juchzen.
Als Bonus: Wenn ich Herrn Körzdörfer eines Tages mal treffen sollte, dann bitte ich ihn, in meinen mitgebrachten MP3-Rekorder verstummend oder meinetwegen auch anhimmelnd zu juchzen.
Auf die Frage, wen oder was “Blieswoods Porträt” hier porträtiert, gab es gleich gar keine Antwort…
Wir fassen zusammen: Sprachliche und menschliche Entgleisungen ist man von BILD gewohnt. Und wirres Gefasel auch, wenn man die selbstverliebt-arrogante Hasskolumne von Wagner nicht meidet. Aber dass ein angeblicher Star-Schreiber sich in eine Kindergarten/ McDonalds-Kinonews/ Pressetext- Melange hineinsteigert, und dennoch nicht von einem Comic-Tretgeräusch begleitet im ballistischen Bogen aus dem Fenster der Chefetage des Springer-Gebäudes fliegt – DAS ist schon einen Asbach Uralt wert…